Uni schreibt Bethel und bietet Hilfe an

Blick auf die Uni BielefeldSekundarschule: Erziehungswissenschaften fordern Erhalt der Einrichtung Bielefeld.

Überraschende Hilfe für die Anhänger der Sekundarschule Bethel - und vielleicht auch für den aktuellen Träger (Bethel) sowie den von einigen geforderten neuen (die Stadt): In einem offenen Brief bietet die Fakultät für Erziehungswissenschaft Unterstützung an - "für die Auslotung von Alternativen zur Schließung". Dekan Oliver Böhm-Kasper bedauert das Aus der gerade erst gegründeten Schule und kritisiert auch den Bethel-Vorstand.

Offenbar sehr bewusst betont Böhm-Kasper für seine Fakultät, dass die Schule erst seit 2013 besteht, erwähnt die von Bethel angeführten ausschließlich ursächlichen finanziellen Gründe - und betont: "Eine Bewertung, inwieweit diese Begründung für einen als alternativlos dargestellten Beschluss des Bethel-Vorstandes trägt, ist nicht Aufgabe unserer Fakultät."

Die Fakultät wolle "sowohl den Bethel-Vorstand als auch die Bürger darauf aufmerksam machen, dass mit der Schließung der Sekundarschule eine pädagogisch sinnvolle und vorbildhafte Idee gemeinsamen Lernens von Kindern und Jugendlichen mit unterschiedlichsten Lernvoraussetzungen nach kurzer Zeit aufgegeben wird. Dies ist vor allem vor dem Hintergrund der hohen Akzeptanz dieser Sekundarschule in der Elternschaft umso bedauerlicher."

Weiter heißt es: "Die Entscheidung des Bethel-Vorstandes steht zudem im Gegensatz zum bildungspolitischen Willen im Land NRW, der in den Sekundarschulen eine attraktive, umfassende und wohnortnahe Ergänzung vorhandener Schulformen sieht."

Der Dekan erinnert daran, dass sich Mitglieder seiner Fakultät "bereits engagiert für die Gründung von Sekundarschulen in der Stadt eingesetzt haben". Sekundarschulen böten - im Vergleich zu anderen Schulformen - weitergehende Differenzierungsmöglichkeiten. Diese gestatteten es, Kinder noch besser nach ihren Talenten und Begabungen individuell zu fördern und dabei auch gymnasiale Standards zu gewährleisten.

Schon allein diese Idee einer integrierten, ganztägigen Schulform mit längerem gemeinsamen Lernen von Kindern mit unterschiedlichen Leistungspotenzialen sei es wert, aufrechterhalten zu werden. Für die Sekundarschule in Bethel sei zudem hervorzuheben, dass es in dieser Schule Klassen mit sogenanntem "Gemeinsamen Unterricht" gibt, in denen Kinder und Jugendliche mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf "qualitätsvoll und verlässlich zusammen unterrichtet werden". So sei die in Bethel praktizierte permanente Doppelbesetzung von Lehrkräften in diesen Klassen in anderen Schulen noch keine Selbstverständlichkeit und werde seitens der Fakultät für Erziehungswissenschaft ausdrücklich begrüßt.

»Traurig, dass gute Entwicklung jähbeendet werden soll«

Böhm-Kasper: "Wir teilen in unserer Fakultät - ähnlich wie es auch der Bethel-Vorstand in einem Positionspapier 2014 formuliert hat - ein breites Inklusionsverständnis, das heißt, wir verstehen unter Inklusion die Teilhabe aller Kinder und Jugendlichen mit ihren unterschiedlichsten Begabungen, Problemlagen, Kenntnissen und Fähigkeiten." Vor diesem Hintergrund stimme es die Mitglieder der Fakultät umso trauriger, dass die vorbildhafte Entwicklung der Sekundarschule in Bethel als gemeinsame, inklusive Schule jäh beendet werden soll. Gleichzeitig seien der Fakultät die Sachzwänge bewusst: Die von Bethel geleisteten freiwilligen und fortschrittlichen Inklusionsanstrengungen müssten für zwei Systeme finanziert werden. Die Erfolge der Sekundarschule und deren Wertschätzung seien jedoch auch Werte, die gewürdigt werden sollten.

Die Fakultät wolle dem Bethel-Vorstand und der Stadt ihre Unterstützung bei der Auslotung alternativer Lösungen anbieten, die auf einen Erhalt aller Bodelschwingh-Schulen gerichtet sei.

Lesen Sie den Brief hier im Original.